Ein kleiner Rückblick auf das Jahr 2015

von Willkommen in Wertheim · 03/01/2016

Erinnern Sie sich noch? Am 13. September war plötzlich alles anders in Wertheim: An diesem Tag kamen die ersten Busse mit Flüchtlingen auf dem Reinhardshof an.
Viele Ehrenamtliche stemmten in den ersten Tagen und Wochen die Organisation in den Räumen der ehemaligen Polizeischule. Ungezählte Stunden Arbeit, unendliche viele Telefonate, spontane Einkaufsaktionen, jede Menge Improvisation und viel zu wenig Schlaf war das Fazit der Helfer, die es in einem Kraftakt ermöglichten, den Menschen aus Syrien, Pakistan, Iran, Eritrea und vielen anderen Ländern ein Dach über dem Kopf sowie ein warmes Essen anzubieten. Und wenn die Zeit dafür da war, auch ein paar freundliche Worte.
Diese Tage sind nun Geschichte und die Landeserstaufnahme auf dem Reinhardshof ist Alltag geworden. Langsam kehrt Routine ein und die Abläufe ordnen sich allmählich bei den Mitarbeitern des RP und des Dienstleisters. All die wilden Vermutungen und Ängste der Skeptiker haben sich in Wohlgefallen aufgelöst. Weder musste ein Supermarkt geschlossen werden, noch gab es Übergriffe auf BürgerInnen der Stadt. Aber wie überall, wo Menschen in solch einer Menge auf engem Raum  zusammen kommen, bleiben Reibereien nicht aus, so auch hier. Die schlimmen Befürchtungen seitens mancher Bewohner haben sich nicht bestätigt – leider aber die Bedrohung durch Brandstifter! Da war es ein schönes Zeichen, dass sich noch am selben Tag so viele Menschen unserem Aufruf zu einer Schweigeminute folgten und wir mit 1500 Menschen ein tolles Erlebnis mit den Neuankömmlingen teilen konnten. Es waren solche Momente, die einem wieder die Kraft gaben weiter zu machen, wenn man sich leer und ausgelaugt fühlte. Sicher, viele Dinge sind nicht rund gelaufen und einige Menschen konnten ihre Hilfe nicht einbringen, denn die Bereitschaft sich zu engagieren war überwältigend groß. Aber man muß auch verstehen, dass hier Menschen in unentgeltlichem Engagement diese Arbeit neben ihrem Job getan haben, ohne einschlägige Ausbildung oder vorgegebene professionelle Strukturen im Hintergrund.
Heute, gut 4 Monate nach dem Start, betreuen wir vom Verein weiterhin die Kleiderkammer sowie das Kleiderlager, halten Deutschkurse ab und helfen bei der Kinderbetreuung mit. Aktivitäten wie Wanderungen, Möbel bauen aus Abfallholz, Kuscheldecken verteilen, Sport in Wertheimer Vereinen  oder Konzertveranstaltungen sollen für ein wenig Zerstreuung sorgen und gleichzeitig die Wertheimer und die neuen Mitbürger zusammen bringen. Aber auch in der kommunalen Anschlussunterbringung geht die Arbeit weiter: Den hier wohnhaften Menschen bei der Orientierung in der Stadt helfen, Kinder in Kindergärten und an Schulen anmelden, Deutschkurse abhalten, Möbel organisieren, Begleitung bei Arztbesuchen, Dolmetscher besorgen und vieles mehr.  Die Arbeit reißt nicht ab.
Besonders froh sind wir, dass wir einige der Flüchtlinge erfolgreich bei der Arbeitssuche unterstützen konnten. Dazu halfen uns auch die vielen Geldspenden, die es uns ermöglichten den neuen Mitbürgern Kredite zu vergeben, um das Auto zu finanzierten, mit dem sie zu ihrem Arbeitsplatz kommen. Überhaupt, Spenden: Es ist beeindruckend,  wie Wertheim sich in diesem Bereich engagiert! Seien Sie versichert, wir setzen das Geld  gezielt und planmäßig ein und verteilen es nicht  pauschal wie aus einem Füllhorn. Wir fördern mit den Spenden gezielt die Integration, die Chance auf einen Arbeitsplatz, die Möglichkeit Kreativität zu entwickeln, Sport zu treiben, sich zu bilden und sich gegenseitig kennen zu lernen. Lassen Sie hier bitte nicht nach!
 
2016 steht vor der Türe und auch das kommende Jahr wird für „Willkommen in Wertheim“ neue Herausforderungen bringen. Nicht alles wird gelingen und nicht jede Aktion wird erfolgreich sein, aber wir werden alles daran setzen, den eingeschlagenen Weg voran zu treiben. Es ist unser Ziel, bei der Intergration der Flüchtlinge in unserer Gesellschaft in möglichst vielen Bereichen  tatkräftig mitzuwirken und sie eben nicht als Randgruppen allein zu lassen.  Heute möchten wir uns als Vorstand bei allen Helfern und Spendern bedanken: Bei den Dolmetschern, den Helfern bei der aufwändigen Arbeit in der Kleiderkammer und dem Kleiderlager, den die neu zugezogenen Familien und Einzelpersonen betreuenden ‚Paten‘, den Teamleitern, den Mitgliedern, die Vorträge gehalten haben, dem Presseteam, dem Webmaster, den Helfern bei Umzügen oder Fahrtdiensten und allen Anderen die sich irgendwie aktiv eingebracht haben. Lassen Sie uns 2016 gemeinsam diesen Weg weiter gehen.